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Gedenkjahr 2009
Das Werden Tirols
Nach dem Untergang des weströmischen Reichst im 6. Jahrhundert strömten vom Norden die Bajuwaren ins Land. Schon vor 600 nach Christus überschritten sie den Brenner. Im Pustertal stießen sie mit den aus Kärnten vordringenden Slaven zusammen. Im Süden wurde das bairische Stammesherzogtum durch die im Süden (Italien) herrschenden Könige der Langobarden begrenzt.
Schon Ende des 7. Jahrhunderts ist ein bairischer Graf in Bozen belegt. Im Jahre 1004 übertrug ihnen Kaiser Heinrich II das Herzogtum Trient zur Verwaltung. 1027 machte Konrad II den Bischof von Trient zum Reichsfürsten. Dem Bischof von Brixen übertrug er die Verwaltung über das westliche Inntal und das Oberinntal. Die Bischöfe wurden immer aus dem Adelsgeschlecht ausgewählt. Heinrich IV erweiterte den Bereich der brixener Bischöfe um das Puster-, Gader- und Paseiertal sowie den Finschgau bis Schlanders. Die Bischöfe gründeten einige Klöster und ließen für die deutschen Herrscher etliche Burgen bauen. In unzähligen Fehden versuchten sich adelige in den Vordergrund zu spielen und den Bischöfen den Einfluss streitig zu machen. Bekannt sind die Grafen von Flavon, die Grafen von Andechs-Meranien (hat nichts mit Meran zu tun, sie waren ein Geschlecht aus Dalmatien), die Grafen von Eppan, Ulten und Tirol.
Die Andechser (Erbauer des Schloss Amras) wurden nach dem Aussterben der Grafen Morit-Greifenstein die Vögte von Brixen. Vögte von Trient waren sie schon früher. Wegen der Beteiligung an der Ermordung des Stauferkönig Philipp (im Jahre 1208) verfiel Heinrich von Andechs-Meranien der Reichsacht. Der Königsmörder war Otto von Wittelsbach. Der neue Vogt von Brixen war Albert III von Tirol. Albert konnte in seiner langen Zeit als Regent (1190 bis 1253) seine Stellung in Tirol ausbauen. Mit viel Geschick machte er seinen bischöflichen Lehensherren und den Bischof von Chur ihren Adel abspenstig und zog deren Burgen an sich.
Albert hatte Töchter, die er "umsichtig" verheiratete. Elisabeth heiratete den letzten Spross aus dem Hause Andechs. Nach seinem Tod den Grafen Gebhard von Hirschberg. Die jüngere Adelheid den Grafen Meinhard von Görz, der Besitzungen im Pustertal hatte. Nach Alberts Tod drohte alles wieder zu zerfallen. 1254 schlossen die Schwiegersöhne den Teilungsvertrag von Meran. Westlich von Zams und südlich von Sterzing war görzisch und im Norden die Hirschberger.
Meinhard I von Görz stammte aus der Kraina (heutiges Slowenien) und war auch Herzog von Kärnten. 1252 verlor er eine Schlacht gegen den Fürstbischof von Salzburg um die Besitzungen in Kärnten. Als Unterpfand musste er seine minderjährigen Kinder Meinhard II und Albert dem Fürstbischof übergeben. Nach sechs Jahren kamen beide wieder frei. Die Liebe zu den Bischöfen wird bei beiden deshalb nicht gerade groß gewesen sein.
1258 übernimmt Meinhard II die Regentschaft in Tirol. Gerade 21 Jahre alt heiratet er im gleichen Jahr die Witwe des verstorbenen Hohenstaufenkönigs Friedrich II. Meinhard II übernimmt auch den Norden von Tirol von seinem Onkel Gerhard von Hirschberg. Sein Stiefsohn Konradin von Hohenstaufen verliert eine Schlacht in Süditalien und wird in Neapel geköpft. Meinhard II steht Rudolf von Habsburg bei der Schlacht am Marchfeld gegen Ottokar von Böhmen bei und sie gewinnen. Als Dank bekommt er kleine Ländereien und den Titel "Reichshauptmann". Das heißt, er ist Herrscher und nur der Kaiser steht über ihm.
Der lombardische Fürst Ezelino greift den Fürstbischof von Trient an. Der Bischof sucht Schutz beim Tiroler Landesfürsten. Meinhard vertreibt Ezelino aus dem Trentino und beansprucht als Rettung des Fürstbischofs das Trentino für sich. Somit kommt das Trentino in die Verwaltung der Grafschaft Tirol.
Meinhard II ist auch bekannt für seine effiziente Verwaltung. Er gründet die Rofenhöfe im Ötztal, verschiedene Schweighöfe und das Stift Stams. Er gab dem Stift auch genügend Grund, damit das Kloster sein Auskommen hatte. So waren auch die Eichholzer Bauern zehentpflichtig nach Stams.
Heinrich war der einzige Sohn Meinhard II. Auch Heinrich wollte Macht und Einfluss gewinnen und verheiratete seine einzige Tochter Margarete im Alter von zwölf Jahren mit dem neunjährigen Königssohn Johann von Böhmen. Elf Jahre später verjagte sie ihren Gatten - der scheinbar impotent war - des Landes. So übernahm König Ludwig von Bayern, der gleichzeitig deutscher Kaiser war, den Schutz über Tirol. Er annullierte als Kaiser die erste Ehe von Margarete von Tirol und verheiratete sie mit seinem Sohn Ludwig. Der Kirchenbann war die Folge. Albrecht von Österreich verhandelte mit dem Papst und Jahre später annullierte auch er die erste Ehe und hob den Kirchenbann auf. Margarete Titel waren somit: von Gottes Gnaden Herzogin von Bayern, Herzogin von Kärnten und Gräfin von Tirol.
Margarete und Ludwig hatten einen Sohn - Meinhard III. Margarete verheiratete ihn mit der Schwester des Habsburgers Rudolf IV (= Rudolf der Stifter).
Ludwig von Bayern stirbt plötzlich mit 47 Jahren. Kurz danach, im Jänner 1363, stirbt auch Meinhard III im Alter von 20 Jahren. Die bairischen Wittelsbacher wollten Tirol für sich, weil sie sich als logische Erben sahen. Die Tiroler Landstände waren dagegen. Margarete übernahm noch einmal kurz die Regentschaft und übergab mit dem Einverständnis der Tiroler Landstände Tirol an die Habsburger. So kam Tirol 1363 zu Österreich.
Im Jahre 1363 fassten die Habsburger auch Fuß in Vorarlberg. Die erste Station war die Herrschaft von Neuburg bei Koblach am Rhein, 1375 das Montafon bei Bludenz, im gleichen Jahr kauften die Habsburger die Grafschaft Feldkirch und 1380 erwarben sie Dornbirn und den Bregenzer Wald. So konnten die Habsburger ihr Stammland in der Schweiz im Aargau und im Elsass durch den Vorarlbergs verbinden.
1368 kauften sich die Bürger von Freiburg im Breisgau für damals 15000 Silbermark von den Grafen von Freiburg frei. Sieh hatten genug von den vielen Schlachten und Zwistigkeiten der Grafen von Freiburg und unterstellten sich dem Schutz der Habsburger.
1385 reichte der Einfluss der Habsburger von Thurgau mit Konstanz über Schaffhausen bis Biel im Westen der Schweiz, Einsiedeln und Glarus, Zürich und Bern bis zum heutigen Fribourg im Süden und im Norden Breisgau und westlich und nördlich von Basel der Sundgau.
1386 erhoben sich die Schweizer gegen die Vögte der Habsburger. Am 9. Juli 1386 kam es zur denkwürdigen Schlacht bei Sempach, bei der die Habsburger vernichtend geschlagen wurden. Leopold (der Vater von Friedl mit der leeren Tasche) kam dabei ums Leben.
1405 bis 1417 war das Konzil von Konstanz. Das Schisma der Kirche mit zwei Päpsten wurde nach 108 Jahren beendet (ein Papst in Rom und ein Papst in Avignon). Friedl mit der leeren Tasche setzte auf den falschen Papst (Johannes XXIII), der abdankte. Er wurde in Konstanz inhaftiert und mit der Reichsacht und dem Kirchenbann belegt. Ihm gelingt die Flucht und er findet bei den einfachen Leuten Unterschlupf. Er organisierte mit Bürgern und Bauern den Aufstand gegen den Adel und legte einige Burgen in Schutt und Asche. Als er die Wolkensteiner auf der Burg Greifenstein bei Bozen unterwerfen konnte, war er wieder alleiniger Herrscher. Sein Sohn, Sigismund der Münzreiche, wurde von seinem Cousin Maximilian I als Landesfürst abgelöst.
Maximilian heiratete Marie von Burgund. Laut Geschichte soll es eine Liebesheirat gewesen sein. Marie brachte das reiche Herzogtum Burgund, Flandern, Brabant und Luxemburg mit in die Ehe. Maximilian erheiratete mit Burgund eine österreichische Machtstellung, aber auch einen jahrhundertelangen Konflikt mit Frankreich. Der Vater von Marie war Karl der Kühne von Burgund. Dieser versuchte sein Reich mit Gewalt auf Lothringen und das Oberelsass auszudehnen, geriet mit den Franzosen und Schweizern in einen verlustreichen Kampf und fiel 1477 bei Nancy.
Marie kam bei einem Reitunfall 1482 ums Leben. Schon vor Maries Tod bedrohte König Ludwig XI von Frankreich durch ständige Überfälle Flandern und die Picardie und besetzte die niederländischen Häfen. 1483 schloss Kaiser Maximilian mit König Ludwig XI den Vertrag von Arras. Dabei wurde Margarete von Habsburg, die dreijährige Tochter Maximilians mit dem Erbprinzen Frankreichs, verlobt und musste Frankreich übergeben werden.
1493 heiratete Maximilian Bianca Sforza, die Erbin des Königreichs Mailand. Maximilians Sohn Philipp der Schöne heiratete die spanische Prinzessin Johanna von Kastilien. Philipp starb als König von Spanien noch vor seinem Vater Maximilian. Die Söhne von Philip (Karl V und Ferdinand I) gründeten die Macht der Habsburger im Westen und im Osten. Karl V wurde König von Spanien und Ferdinand I wurde später Kaiser von Österreich.
Als Witwer warb Maximilian um die Erbin der Bretagne. König Ludwig XI entführte aber die Braut. Als Wiedergutmachung musste Frankreich die Verlobung seiner Tochter lösen und mitsamt dem vereinbarten Heiratsgut wieder herausgeben. Margarete heiratete später Philipp von Savoyn. Savoyn war ein Fürstentum, das die Übergänge von Frankreich nach Italien kontrollierte. Mit der Entdeckung Amerikas kamen immense Goldschätze nach Europa, die Maximilian reich erscheinen ließen. Weil Maximilian auf großem Fuß lebte, überall Hof hielt, sehr viel Geld mit Künstlern für seine habsburgische Propaganda ausgab, reichte das Geld nie. In Tirol sind die heute noch bestens erhaltenen Denkmäler - das goldene Dachl und das überdimensionale Grabmal in der Hofkirche, die sogenannten Schwarzmander. An diesem Grabmal wurde von den ersten Plänen an von 1502 bis 1570 also über 60 Jahre bis zu seiner Fertigstellung gearbeitet. In Tirol war damals die größte Waffenschmiede seines Reiches und das ergiebigste Silberbergwerk beheimatet. Um finanziell immer flüssig zu sein, wurde das Silberbergwerk Schwaz an die reiche Familie der Fugger aus Augsburg verpfändet. Schwaz war im 16. Jahrhundert nach Wien mit 10.000 Einwohnern die zweitgrößte Stadt des damaligen Österreichs.
Zur Sicherung des Silbers und der Waffenschmiede brauchte es Soldaten, die im Ernstfall immer verfügbar waren. Die größten Kanonen, die damals gebaut und deren Namen heute noch geläufig sind, waren Burlebauz und Weckauf. Diese Kanonen wurden 1503 bei der Eroberung vom damals bayrischen Kufstein eingesetzt. Mit seinen scheinbar großzügigen Freiheiten hatten die Tiroler zwischen 18 und 60 Jahren das Land für den Kaiser zu verteidigen. Dafür mussten sie nicht außerhalb des Landes in Kriege ziehen. Durch das den Tirolern verliehene Recht, Waffen zu tragen, hatte er automatisch 20.000 Wehrpflichtige. Diese Pflichten und Rechte waren im Tiroler Landlibell von 1511 geregelt. Maximilian war ein gefinkelter Machtpolitiker. 1515 wurde in Wien für unsere Vorstellungen einen ungewöhnliche Doppelhochzeit gefeiert. Sie sollte die habsburgischen Erbfolgerechte, in den von der polnischen Jagonellendynastie beherrschten Ländern der böhmischen und ungarischen Krone absichern. Maximilian adoptierte den neunjährigen Ludwig - Sohn des Königs Ladislaw II - und ließ ihm seine Enkelin Maria antrauen. Er selbst vermählte sich mit Anna, der zwölfjährigen Schwester des Prinzen Ludwig. Doch sollte die Ehe ungültig sein, wenn sich einer seiner Enkel
(Karl V oder Ferdinand I) binnen eines Jahres für die Braut entscheiden sollte. 1516 nahm Ferdinand Anna zur Frau.
1526 fielen die Türken in Ungarn ein. Am 26. August wurden die Ungarn bei Mohacs geschlagen. König Ludwig II ertrank auf der Flucht. Da er keine Kinder hatte, kam die Erbfolgevereinbarung von 1516 zum Tragen. Der Habsburger Ferdinand wurde zum König von Böhmen, Mähren, Schlesien und der Lausitz gewählt. In Ungarn kam es zu einer Doppelwahl. In Pressburg wurde Ferdinand und in Stuhlweißenburg der Fürst von Siebenbürgen, Johann Zapolay, zum König von Ungarn gewählt. Ferdinands Truppen vertrieben Zapolays Truppen von Ungarn. Die Türken als Verbündeten Zapolays wollten die Herrschaft der Habsburger in Ungarn nicht anerkennen. Das war der Grund für die Türkenbelagerung von Wien.
Sultan Soliman II (der Prächtige) brach mit 250.000 Soldaten Richtung Wien auf und begann am 15. September 1529 mit der Belagerung von Wien. Soliman konnte Wien nicht einnehmen. Auch die zweite Belagerung Wiens 1532 war für Soliman nicht erfolgreich. Er hielt aber große Teile Ungarns besetzt. Die kriegerischen Auseinandersetzungen dauerten bis 1566. Soliman starb bei der Belagerung von Szigetrör. 1568 schlossen der damalige Kaiser Maximilian II und Sultan Seliman II den Frieden von Adrianopl.
In der Zeit Maximilian I und seines Enkels Ferdinand kam die Zeit der Reformation. Der sogenannte Protestantismus verbreitete sich sehr schnell in den habsburgischen Ländern. 1524 wurde in Wien Kaspar Tauber wegen seiner Druckschriften gegen den Papst hingerichtet. Auch die Sekte der Wiedertäufer, die sich für soziale Gerechtigkeit und Gütergemeinschaft stark machte, war unerbittlicher Verfolgung ausgesetzt. Ihr Gründer, der Pustertaler Jakob Hutter, musste mit seiner Gemeinde nach Mähren auswandern. Später flüchteten die Anhänger nach Amerika, wo sie noch heute als die Hutterer oder Wiedertäufer in Großfamilien leben. Jakob Huter und der mährische Anführer Balthasar Hubmair kamen beide auf dem Scheiterhaufen ums Leben. Kaiser Ferdinand teilte das Reich unter seinen Söhnen auf. Maximilian II war der Älteste und damit Anwärter auf die Kaiserkrone. Er war schon in jungen Jahren als tolerant bekannt. Er sein nicht Papist, nicht Lutheraner sondern Christ. Seine Brüder Ferdinand und Karl waren sogenannte katholische Hardliner. Maximilian II erhielt das östliche Österreich, Böhmen und Ungarn. Karl erhielt Innerösterreich (Steiermark, Kärnten, Krain und Görz) und Ferdinand Tirol und die österreichischen Vorlande (Vorarlberg, schweizerische Teile, Breisgau und Sundgau). Ferdinand residierte auf Schloss Amras und war mit Philippine Welser aus Augsburg verheiratet. Durch seine Heirat mit einer bürgerlichen war er aus dem Erbadel um die Krone ausgeschlossen, deshalb waren in Tirol die Glaubensfragen kein Politikum. Obwohl das Oberinntal stark mit Katholiken und Wiedertäufern gemischt war, war Innsbruck im Jahre 1540 die einzige Stadt in Österreich, die als katholisch bezeichnet werden konnte.
Spanischer Erbfolgekrieg (1701 bis 1714)
Der letzte König von Spanien war Karl II. Er war Sohn Philips IV und Maria Anna von Österreich. Er wurde mit vier Jahren auf den spanischen Thron gesetzt. Bis zu seiner Großjährigkeit führte seine Mutter die Regentschaft. Später führte die Frau von Karl II (Maria Anna von Pfalz - Neuburg) eine Wittelsbacherin die Amtsgeschäfte. Karl II war Herzkrank und ohne Nachkommen. 1698 unterschrieb er ein Testament zugunsten seines Großneffens des bayrischen Kurprinzen Josef Ferdinand, der auch Enkel des Kaisers Leopold I von Österreich war. Prinz Josef Ferdinand von Bayern starb aber noch vor König Karl II, der 1700 starb.
Weder Kaiser Leopold I noch die Seemächte Holland und England wollten die totale Machterweiterung Frankreichs akzeptieren, wie sie die Erfüllung des Testaments Karl II mit sich gebracht hätte. Kaiser Leopold I war Enkel von Philip III und Gemahl der Tochter Philips IV. Er wies auf die verwandtschaftlichen Ansprüche und wollte sein zweiten Sohn Karl auf dem spanischen Thron. Frankreichs Ludwig XIV setzte aber seinen Ekel als Philip V unter dem Schutz der französischen Armee auf den Madrider Thron. Österreichs Bemühungen um den spanischen Thron wären sicher unberücksichtigt geblieben, hätte Frankreichs Ludwig XIV den Bogen nicht überspannt. Mit der Inthronisierung seines Enkels kündigte Frankreich die Sperre der Südamerikanischen Häfen für britische und niederländische Schiffe an. Nun schlossen England, Holland und Österreich eine Allianz, der sich Brandenburg, Hannover und Portugal anschlossen. Frankreich hatte eine Allianz mit den Fürsten von Savoyen und den Wittelsbacher Fürsten von Köln und Bayern.
Prinz Eugen von Savoyen, Feldherr im Dienste Kaiser Leopold I, besiegte die französischen Truppen in Italien. Max Emanuel von Bayern wollte aus der spanischen Erbmasse Belgien haben. Seine Truppen fielen in Tirol ein und wollten sich in Italien mit den Franzosen vereinigen. Es gab kaum Widerstand, Kufstein und Rattenberg kapitulierten vor den bayrisch-französischen Truppen und Kufstein ging in Flammen auf.
Am 2. Juli zog Max Emanuel in Innsbruck ein. Die Landesregierung huldigte ihn. Der Bischof von Brixen wollte ihm freies Durchzugsrecht gewähren, musste sich aber dem Widerstand seiner Untertanen beugen. Noch ehe Max Emanuel in Innsbruck eintraf, regte sich der Widerstand. In der Salurner Klause wurde er das erste Mal geschlagen und sie zogen sich zurück. Andere Truppen, die er über den Reschen schicken wollte, wurden bei Pontlatz unter der Führung des Pflegers von Landeck, Martin Sterzinger, aufgerieben. Am 17. Juli gab es eine weitere schwere Niederlage für die Bayern im Wipptal. Im Unterland gab es die ersten Aufstände. Rattenberg wurde zurückerobert, Gefangene wurden selten gemacht und in Hall wurde die gesamte Besatzung massakriert. Die Bayern zogen sich brandschatzend über Scharnitz zurück. Max Emanuel flüchtet nach Brüssel, seine Frau nach Venedig. Kaiser Leopold I starb plötzlich 1705 und sein Nachfolger war Kaiser
Josef I. Dieser starb 1711 plötzlich an Blattern und die Großmächte befürchteten, dass wieder alles in einer Hand der Habsburger zusammen käme - im neuen Kaiser Karl VI. Nun begannen Geheimverhandlungen, die am 7. März 1717 im Frieden von Rastatt endeten. Bei diesen Verhandlungen hatte Prinz Eugen Karl VI geraten, Max Emanuel das österreichische Belgien zu überlassen und Österreich um Bayern zu vergrößern, doch Karl VI wollte es anders.
Französische Revolution und die Koalitionskriege
Mit dem Ausbruch der französischen Revolution veränderte sich die politische Landschaft in Europa. Das revolutionäre Frankreich stürzte die päpstliche Herrschaft in Avignon. Der missglückte Fluchtversuch König Ludwigs XVI und seiner Frau Marie Antoniette von Österreich endete 1791 am Schafott. Kaiser Leopold II (1790 bis 1792 Kaiser) forderte von allen Fürsten Solidarität für seine Schwester gegenüber den Revolutionsmachthabern. Leopold II starb am 1. März 1792. Paris verlangte von seinem Nachfolger Kaiser Franz II die Abrüstung und alle Bündnisse gegen Frankreich aufzugeben. Franz II lehnte ab, darauf erklärte Frankreich am 20. April 1792 an Kaiser und Reich den Krieg. Der erste Angriff auf die österreichischen Niederlande (heutiges Belgien) konnte noch abgewehrt werden. Preußen verlegte sich aufs Verhandeln und zog seine Truppen zurück. Frankreich vertrieb Österreich aus Belgien. Um ein Debakel des Reichs zu verhindern, traten England, die Niederlande, Spanien und Sardinien in den Krieg ein, der so zum ersten Koalitionskrieg (1792 bis 1797) wurde. Preußen machte seine Hilfe von finanziellen Unterstützungen der Koalition abhängig und schloss mit Frankreich den Separatfrieden von Basel, bei dem trat es die linksrheinischen Gebiete an Frankreich ab und akzeptierte somit den Rhein von Basel bis zur Mündung als Grenze.
1796 eroberten die französischen Truppen rechtsrheinische Gebiete, wodurch Baden, Wüthenberg zum Frieden gezwungen wurde. Im gleichen Jahr wurde Erzherzog Karl Oberbefehlshaber der österreichischen Truppen und Napoleon Bonaparte Oberbefehlshaber der französischen Truppen. Erzherzog Karl konnte die Franzosen über den Rhein zurückdränge, die Schlachten wurden aber in Oberitalien unter Napoleon entschieden. Im Herbst 1796 konnte Napoleon zwar Trient einnehmen, musste aber wieder abziehen. Im Frühjahr 1797 drangen die französischen Truppen bis ins Pustertal vor, die sich mit den in Bozen stehenden Truppen verbinden wollten. Am 2. April 1797 trafen sie bei Spinges (Mühlbach im Pustertal) auf die aufgebrachte Bevölkerung. Katherina Lanz, bekannt als das Mädchen von Spinges, war eine der herausragend mutigen, die die Wende zugunsten der Tiroler herbeiführte. Napoleon war indes mit seiner Hauptmacht über Venetien nach Kärnten und Krain bis in die Steiermark vorgedrungen. Der verschreckte Hof in Wien schloss am 18. April den Frieden von Leoben. Österreich musste seine linksrheinischen Besitzungen Sundgau bis Belgien und Mailand an Frankreich abtreten.
2. Koalitionskrieg (1799 bis 1802): Die Verbündeten Russland und Österreich warfen die in Süddeutschland stationierten französischen Truppen über den Rhein zurück. In Italien drängten die Russen die französische Armee aus dem Land. Russlands Befehlshaber Suworow wollte sich bei Zürich mit der Nordarmee vereinigen, um Frankreich anzugreifen. Er wagte den beschwerlichen Weg über den St. Gotthard, doch als er die Zentralschweiz erreichte, wurde sein Mitstreiter Korsakow schon geschlagen und so zog er mit seinen Truppen über Graubünden zurück. 1800 schlug Napoleon die Österreicher im italienischen Marenge, gleichzeitig drangen die Franzosen über Bozen vor und schlugen die österreichischen Truppen unter Erzherzog Johann bei Hohenlinden in Oberbayern vernichtend und rückten nach Wien vor. Der Waffenstillstand von Steyr zu Weihnachten 1800 konnte den Marsch auf Wien stoppen. 1804 krönte sich Napoleon zum Kaiser von Frankreich. Er besetzte Hannover, Holland und die Schweiz und setzte sich die Krone vom neu geschaffenen Königreich Italien auf. Mit dem Einmarsch der österreichischen Truppen in Bayern im September 1805 begann der 3. Koalitionskrieg (1805 bis 1807). Napoleon überschritt mit gewaltigen Truppen den Rhein und zwang die österreichischen Truppen bei Ulm zur Kapitulation. Erzherzog Karls Plan, über Oberitalien in Südfrankreich einzurücken misslang. Napoleon rückte am 13. November 1805 in Wien ein. Russisch-österreichische Truppen wagten in Austerlitz einen neuen Waffengang. Diese "Dreikaiserschlacht" entschied Napoleon für sich. Österreich musste am 26. November 1805 den Frieden von Pressburg schließen.
Österreich musste die österreichischen Vorlande, Tirol und Venetien abtreten und Napoleon freie Hand im Rest Deutschlands lassen. Dafür konnte sich Österreich Salzburg und Berchtesgaden einverleiben. Damit begann die Bayrische Herrschaft in Tirol.
Laut dem Pressburger Friedensvertrag hatte Tirol 14 Millionen Gulden Kriegsschulden, die in Form von Steuern von den Bayern eingetrieben wurden. Die Bayrische Verwaltung konnte das Vertrauen der Tiroler nie gewinnen regierte mit unglücklicher Hand. Am 17. Dezember 1806 wurde die Christmette verboten. Mit dem Verbot von Prozessionen und Wallfahrten wurde die Kommunikationsmöglichkeit ganzer Talschaften unterbunden. Die Sterbeglocke durfte nur nach bestimmten Regeln geläutet werden und für das ewige Licht gab es nur bestimmte Ölmengen, Rosenkranzgebete als öffentliche Andachten wurden strikt verboten, dafür wurde das Kirchengebet für das bayrische Königspaar im Wortlaut vorgeschrieben. Kritische Pfarrer wurden aus den Pfarreien entfernt und deportiert. Schon 1807 wurde der Prälatenstand beseitigt, die Aufhebung der Ständischen Klöster begonnen (Chorherrenstift St. Michael an der Etsch, Prämonstratenser von Wilten, Augustinerchorherren von Neustift, die Zisterzienser von Stams und Gries, die Benediktiner von Marienberg und Georgenberg Fiecht) und die Kunstschätze sowie Archive und Bibliotheken zerstreut.
Unter dem Vorwand der Aufwiegelung des Volkes wurde schon 1808 mit aller Schärfe gegen Kapuziner vorgegangen. Nach der Aufhebung des Klosters im Churer Sprengel stürmten am 16. August 1808 Kreisdirektor Hofstetten mit einem bayrischen Battailon mitten in der Nacht das Kapuzinerkloster in Meran, lud alle Pater auf Wagen und ließ sie in andere Klöster bringen.
Zu den zahlreichen Fehlgriffen der Bayern zählte auch die 1808 erfolgte Anordnung, Schloss Tirol auf Abbruch zu versteigern. Dass es erhalten blieb, ist nur einem Zufall zu verdanken. Auch der Name Tirol und alle Bedeutungen, Symbole und Wappen, die auf österreichische Erblande und historische Beziehungen zum Kaiserhaus Österreich hindeuten, versuchte man zu tilgen. Selbstverständlich musste auch der Tiroler Adler durch das weiß-blaue Staatssymbol mit Rauten und dem Herzschild mit Königskrone, Schwert und Zepter ersetzt werden.
Ein weiterer schwerer Eingriff in die garantierte Landesverfassung war, dass tausende Tiroler Soldaten das bayrisch-französische Heer verstärken mussten. Viele flüchteten und lokale Proteste und Unruhen flammten auf.
Wille Hermann